Was ist Freimaurerei?
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Procession at Freemason's Hall, Ausschnitt eines Gemälde von Rowlandson (1756-1827) und Pugin (1762-1832)

Definition

Die Freimaurerei ist eine weltumspannende humanitäre Initiationsgemeinschaft und ein ethischer Männerbund mit weltweit etwa 6 Millionen Mitgliedern, der sich in Deutschland als eingetragener Verein und in sog. Logen organisiert.

Der deutsche Begriff "Freimaurer" stammt aus dem Mittelalter und geht auf das englische "Freemason" oder "Freestone Mason" zurück. Damit waren hochqualifizierte und gebildete Kunsthandwerker, Baumeister und Architekten gemeint - im Gegensatz zum "Roughstone Mason", der für die grobe Behauung der Steine zuständig war.

Historisch hervorgegangen ist die heutige moderne Freimaurerei aus den Dombauhütten und Steinmetzbruderschaften des Mittelalters - der Zeit der großen Kathedralenbauten. Schriftliche Hinweise finden sich in einer Niederschrift von Regeln der Steinmetzbruderschaften im mittelenglischen Regius-Manuskript aus dem Jahr 1390 oder der Straßburger Steinmetzordnung aus dem Jahr 1495. Doch es gibt Hinweise und Symbole in der Freimaurerei, die weit älter sind und bis in das antike Rom, Griechenland und Ägypten zurückreichen.

Das Wissen um die Baukunst und Statik wurde über Jahrhunderte nur mündlich weitergegeben und streng geheim gehalten. Da fälschungssichere Dokumente in dieser Zeit nicht möglich waren, hatten die Steinmetze und Baumeister geheime Zeichen und Passwörter, mit denen Sie sich gegenseitig als Lehrling, Geselle oder Meister zu erkennen geben konnten. Aus Tradition wird dieser Brauch weitergeführt und ermöglicht auch heute noch einen Freimaurer von einem Nicht-Freimaurer oder Freimaurer-Lehrlinge von Gesellen und Meistern zu unterscheiden.

Mit dem Beginn der Reformation 1517 kam das Welt- und Gottesbild der Menschen ins Wanken und mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kam der Bau der gigantischen gotischen Kathedralen zum Erliegen. Dies führte zum Niedergang der Bauhütten und somit auch der klassischen Steinmetzbruderschaften. Steinmetze und Baumeister genossen aber immer noch ein sehr hohes Ansehen wegen ihrer hohen Bildung und ihrer internationalen Verbindungen. In einer Zeit, in der viele Menschen nie das eigene Dorf verlassen haben, waren Steinmetze und Baumeister durch ganz Europa gereist.

Der offene Geist, der in den Steinmetz-Logen gepflegt wurde, passte exzellent zu den Ideen der Aufklärung. Durch die Verpflichtung zur Verschwiegenheit konnten sich in den Logen ungestört Adlige, Bürger und Handwerker über die revolutionären Ideen dieser Zeit austauschen. So kam es auch zur Annahme von Nicht-Steinmetzen. Dies wurde erstmals im Jahre 1634 in Edinburgh dokumentiert und war der Beginn der modernen Freimaurerei: der Wandel von der operativen Steinmetzbruderschaft zur spekulativen und spirituellen Freimaurerei.
Als offizieller Beginn der modernen, spekulativen Freimaurerei wird das Jahr 1717 angenommen, in dem die erste Großloge von England gegründet wurde. 1723 wurden dann die sogenannten "Alten Pflichten" verfasst, die bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hatten und noch immer die Grundlage für freimaurerisches Handeln darstellt.

Die Freimaurerei vereint Männer in einer Weltbruderkette, die nach geistiger und ethischer Vervollkommnung streben. Daher bezeichnen Freimaurer sich auch als Brüder. Nach außen besteht die wichtigste Aufgabe der Freimaurerei in karitativer Arbeit und der Förderung von Bildung und Aufklärung. Der Hauptzweck der Freimaurerei geht aber nach innen und betrifft jeden einzelnen Bruder selbst. Mit Hilfe von Ritualen vermittelt die Freimaurerei den Brüdern eine Lebensphilosophie, die sie dazu anhalten soll, den fünf Grundidealen der Freimaurerei näher zu kommen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Menschenliebe. Jeder Bruder arbeitet an seinem eigenen "rauhen Stein", der ein Symbol für die eigene Unvollkommenheit darstellt. Ein Freimaurer versucht die Welt besser zu machen, in dem er an sich selbst arbeitet, seine eigenen Fehler und Schwächen erkennt und versucht, sich selbst zu einem besseren Menschen zu machen. Dadurch wird auch sein Umfeld wie z.B. Familie und Beruf um ihn herum ein klein wenig besser. Die Freimaurerei ist daher eine Lebenshaltung und trägt damit zur Humanisierung der menschlichen Gemeinschaft und zur Persönlichkeitsbildung des einzelnen Menschen bei.

Jeder Freimaurer gelobt bei seiner Aufnahme Verschwiegenheit. Dies betrifft nicht nur das Ritual und Passwörter sondern umfasst auch alles, was in der Loge gesagt wurde. Diese Verschwiegenheit gilt auch heute noch als Grundvoraussetzung für einen freien Ideen- und Meinungsaustausch, der uns Freimaurern sehr wichtig ist.

Eine alte englische Antwort auf die Frage "Was ist Freimaurerei" lautet:

Daheim ist sie Güte,
im Geschäft ist sie Ehrlichkeit,
in Gesellschaft ist sie Höflichkeit,
bei der Arbeit ist sie Anständigkeit!
Für den Unglücklichen ist sie Mitleid,
für den Schwachen ist sie Hilfe,
für den Starken ist sie Vertrauen.
Dem Gesetz gegenüber ist sie Treue,
gegen das Unrecht ist sie Widerstand.
Beim Reuigen ist sie Verzeihen,
für den Glücklichen ist sie Mitfreude.
Vor Gott ist sie Ehrfurcht und Liebe.

Berühmte Freimaurer

Die Liste berühmter Freimaurer ist lang und dies hier kann nur ein kurzer Ausschnitt sein. Viele berühmte Brüder halten ihre Mitgliedschaft bei der Freimaurern geheim. Es bleibt jedem Bruder selbst überlassen ob er sich öffentlich als Freimaurer zu erkennen gibt oder nicht. In der Namensliste sind keine noch lebenden Freimaurer genannt, denn es ist guter Brauch der Freimaurer, Namen von lebenden Brüdern nicht zu nennen

Simon Bolivar
geb. 1783 in Caracas, Venezuela, gest. 1830.
Nationalheld des südamerikanischen Befreiungskampfes gegen Spanien, Bahnbrecher auf geistigem und kulturellem Gebiet.

Sir Winston Churchill
Englischer Staatsmann, geb 1874, gest. 1965.
Von 1940 bis 1945 Premier- und Verteidigungsminister. 1951 bis 1955 erneut Premierminister; auch historischer Schriftsteller (Nobelpreis für Literatur 1953).

Friedrich II. der Große
Preußischer König, geb. 1712, gest. 1786.
Er führte umfangreiche Reformen im Rechts- und Erziehungswesen, im Heer und in der Landwirtschaft durch; er war ein bedeutender Förderer und Liebhaber von Wissenschaft und Kunst. Seine Reformpläne haben ihren geistigen Ursprung zu einem wesentlichen Teil in der Freimaurerei.

Guiseppe Garibaldi
Italienischer Freiheitskämpfer und Politiker, geb. 1807, gest. 1882.
Unternahm 1860 den "Zug der Tausend", eroberte Sizilien, setzte nach Unteritalien über und stürzte dort die Bourbonen.

Johann Wolfgang von Goethe
Deutscher Dichter, Naturforscher und Staatsmann, geb. 1749, gest. 1832.
Er versuchte die Natur als Ganzes zu begreifen und nicht nur in ihren Einzelheiten. Seine ethische Überzeugung war, daß der von Gott im Menschen angelegte Keim vom Menschen selbst entfaltet werden müsse. Der Mensch müsse aufbauend und schöpferisch tätig sein und nicht zerstörend.

Josef Haydn
Österreichischer Komponist, geb. 1732, gest. 1809.
Wurde am 11. Februar 1785 in Wien aufgenommen. Seine Einweihung war ursprünglich für den 28. Januar angesetzt; an diesem Tag fand sich auch Mozart in der Loge ein. Die sechs berühmten Quartette Mozarts, die 1785 entstanden, sind Haydn gewidmet. Ein Zusammenhang mit der durch die Aufnahme Haydns vertieften Freundschaft ist wahrscheinlich.

Charles Lindbergh
Amerikanischer Flugpionier, geb. 1902, gest. 1974.
Glückte 1927 mit seinem Flugzeug "Spirit of St. Louis" der erste Transozeanflug Amerika - Europa; wurde 1926 ein Mitglied der Keystone Lodge 243 in St. Louis. Vor Antritt seines Fluges befestigte Lindbergh seine maurerischen Dokumente am Rumpf des Flugzeugs.

Wolfgang Amadeus Mozart
Österreichischer Komponist, geb 1756, gest. 1781.
Wurde von seinem Vater früh in Klavier- und Violinspiel, sowie im Komponieren unterrichtet. Er hinterließ ein umfangreiches Werk an Symphonien, Opern, Messen, Singspielen, Requiems und Serenanden. Schrieb auch viele spezielle Freimaurermusiken, so z.B. die "Kleine Freimaurerkantate" von 1791. Als letzte Oper schuf er die stark von der Freimaurerei inspirierte Oper "Zauberflöte".

Gustav Stresemann
Deutscher Politiker, geb. 1878, gest. 1929.
Gründete 1918 die Deutsche Volkspartei, war von 1920 bis 1923 Reichskanzler und von 1923 bis 1929 Außenminister. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit seinem französischen Freund Briand suchte er den friedlichen Ausgleich mit Frankreich. Erhielt zusammen mit Briand, der ebenfalls Freimaurer war, und Sir Chamberlain den Friedensnobelpreis.

George Washington
Erster Präsident der USA, geb. 1732, gest. 1799.
Sein Biograph Sidney Hayden schreibt: "Durch sein ganzes Leben zieht sich die Übung des von ihm selbst ausgesprochenen Satzes: Die Tugenden, die den Menschen veredeln, werden in der Freimaurerei gelehrt, geehrt und gepflegt; sie fördern das häusliche Leben und sind Normen für die höchsten Pflichten des Staatsmannes".

Wilhelm I.
König von Preußen und erster Deutscher Kaiser, geb. 1797, gest. 1888.
Wurde am 22. Mai 1840 durch den Landes-Großmeister der Großen Landesloge aufgenommen. Er betätigte sich bis zur Thronbesteigung sehr eifrig als Freimaurer, nahm an zahlreichen Arbeiten in Berlin und auswärts teil, führte bis zum Jahre 1861 den Vorsitz im Preußischen Großmeisterverein

 
© 2012 Freimaurerloge "Zur Treue am Berge Horeb" e.V., i.O. Pirmasens
Nr. 701, i. O. Pirmasens
Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland